Der Weinbau in Kleinniedesheim
Andreas Merkel

Kleinniedesheim liegt noch im Weinanbaugebiet Pfalz, direkt an der Grenze zu Rheinhessen. Die Gemarkung ist etwa 387 ha groß, wovon 334 ha landwirtschaftlich genutzt sind. Mit Reben bestockt sind zur Zeit etwa 52 ha. Dies ist im Vergleich zu Gemeinden z. B. an der Weinstraße eine eher geringe Räche. Auf den verbleibenden ca. 280 ha werden hauptsächlich Zuckerrüben, Kartoffel, Getreide, Zwiebeln und noch einige andere Gemüsearten angebaut. Bis in die 60er Jahre war auch noch Obst, und hier vor allem Kirschen, von großer Bedeutung.

Die Wein- und Obstgärten befanden sich fast ausschließlich im "Oberfeld", d. h. das Stück der Kleinniedesheimer Gemarkung, das etwas erhöht oberhalb der Großniedesheimer- und der Wormser Straße lag. Lediglich in einem schmalen Streifen unterhalb der Wormser Straße waren damals, wie auch heute noch Wingert. Heute erstreckt sich der größte Teil des Weinbaus noch vom Schloßgarten bis zur Gemarkungsgrenze nach Großniedesheim. Dafür besteht die Rebfläche heute aus zusammenhängenden Wingerten.

Die Geschichte des Weinbaus in Kleinniedesheim reicht sicher bis ins Jahr 1258 zurück. Damals war in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch von "Wingerten" (altes Wort für Weingärten) die Rede. Dass das direkt benachbarte Worms ebenfalls zu den frühen Weinbauorten in Deutsch- land gehörte untermauert diese Aussage nur noch.

Vor 1968 war die gesamte Kleinniedesheimer Gemarkung in Folge der Realteilung durch kleine Parzellen geprägt. Ausgemessen und durch Grenzsteine fixiert wurden die kleinen Felder aber erst um 1833. Vorher wurden die Parzellen dann oft durch Wingertszeilen begrenzt. Diese wurden dann nach und nach durch die eine oder andere Zeile ergänzt. Zwischen diesen Zeilen befanden sich dann die zahlreichen Obstbäume und nahmen den Weinreben nicht selten das Licht. Kurz vor der Flurbereinigung waren noch ca. 2000 Obstbäume (vor allem Kirschen) vorhanden. In Zeiten der größten Ausbreitung dürfte die Anzahl der Obstbäume durchaus das doppelte betragen haben.

Die genaue Weinanbaufläche ließ sich nur schwer ermitteln, da die Äcker ja nicht vollständig mit Reben bestockt waren. Zusammengerechnet muss aber vor ca. 180 Jahren die Rebfläche in etwa gleich groß, oder zeitweise sogar größer gewesen sein als heute. Dies lässt sich mit den bekannten Ernte- mengen und den damals üblichen Durchschnittserträgen errechnen. So wurden z. B. 1817200 Fuder Wein (1 Fuder = 1000 I) geerntet obwohl keine (zusammenhängende) Wingerte erfasst waren, was bei der damaligen Erntemenge von ca. 3500 I/ha einer Fläche von ca. 60 ha entsprechen würde.

1969 wurde dann die Gemarkung bereinigt, d. h. es wurden größere zusammenhängende Rächen geschaffen, um so die Bewirtschaftung zu erleichtern. Bei dieser Gelegenheit verschwanden die meisten der inzwischen unrentabel gewordenen Obstbäume, und das Weinbergsgelände wurde auf seine heutige Ausdehnung festgelegt. 2 Einzellagen wurden so geschaffen:

Der "Schlossgarten" umfasst die Wingerte hinter dem Schloss sowie die unterhalb der Wormser Straße. Zum "Vorderberg" gehören die restlichen Wingert, die hinter dem Ort Richtung Großniedesheim ziehen. Die Unterschiede der beiden Einzellagen sind allerdings nicht signifikant. Darum findet sich auch bei vielen Kleinniedesheimer Weinen nur der Ortsname auf dem Etikett.

Nach der Flurbereinigung wurden die Wingerte nur noch jeweils mit einer Sorte angepflanzt. Da nun auch keine Bäume mehr Schatten "spendeten" kam dies auch der Qualität zugute.

Älteste und wichtigste Sorte, auch in Kleinniedesheim, war der Riesling. Allerdings stand er vor der Flurbereinigung oft im gemischten Besatz mit Silvaner, Müller- Thurgau, Portugieser und einigen anderen, weniger bedeutsamen Rebsorten.

Beim Ausbau wurden bis 1970 oft nur 2 Sorten unterschieden: Rot- und Weißwein. Auch der Jahrgang spielte eine eher unter- geordnete Rolle. So wurden in der Wirtschaft nur "Neuer" (aktueller Jahrgang), und "Alter" (alle älteren Jahrgänge) unterschieden und ausgeschenkt. Als Geschmacksrichtung gab es praktisch nur trockene, durchgegorene Weine. Erst mit dem neuen Weingesetz von 1970 wurden Weine erlaubt die mit Traubensaft gesüßt wurden.

Die Rebsorten, die heute in Kleinniedesheim angebaut werden, sind fast die gleichen wie in der gesamten Pfalz. Auffällig ist der etwas größere Portugieseranteil. Diese alte Rotweinrebsorte gedeiht auf den leicht erwärmbaren Böden von Kleinniedesheim besonders gut. Damit lässt sich auch erklären.

Die Tendenz geht nicht nur in Kleinniedesheim, sondern in der ganzen Pfalz mehr und mehr zu Rotweinen. Hier ist im Moment die Neuzüchtung Dornfelder, die einen fruchtigen südländlichen Rotweintyp ergibt, stark im Kommen. Aber auch Spätburgunder und der oben genannte Portugieser nehmen immer mehr zu. 

Bei den Weißweinsorten sind die althergebrachten traditionellen Sorten (Riesling, Weiß- und Grauburgunder und Silvaner) auf dem Vormarsch. Die vielen Neuzüchtungen, die zum Teil ein sehr starkes Bukett aufweisen und in den 70er Jahren noch sehr gefragt waren (z. B. Morio- Muskat, Scheurebe, Bacchus, Ortega, Huxel) gehen dafür stark zurück.

Die älteste Neuzüchtung, der etwa 100 Jahre alte Müller- Thurgau, nimmt eine kleine Sonderstellung ein: Er ist in ganz Deutschland, wie auch in Kleinniedesheim, nach dem Riesling die wichtigste Rebsorte. Obwohl auch seine Räche etwas abnimmt wird er weiterhin mit seinen milden, blumigen, aber nicht zu aufdringlichen Weinen zu den wichtigsten Rebsorten gehören.

Vor der Flurbereinigung 1969 wurden die Trauben von den einzelnen Winzern noch selbst gepresst, in Holzfässern ein- gelagert und ausgebaut. Verkauft wurde er dann entweder an Privatleute, die sich den gewünschten Wein oft in eine mitgebrachte Korbflasche füllen ließen, oder an Großhändler. Nach der Flurbereinigung bauten immer weniger Winzer ihren Wein selbst aus und lieferten statt dessen die Trauben ab.

Da die Landwirtschaft in Kleinniedesheim noch eine recht große Rolle spielt, werden die Wingerte heute oft von den Landwirten mitbewirtschaftet und die Trauben meist an die Winzergenossenschaft Palmberg in Laumersheim geliefert. Die Weingüter Merkel und Westkirch sind noch die einzigen, die ihre Trauben im eigenen Betrieb keltern, ausbauen und auf der Flasche verkaufen.

Die geringe Rebfläche in Verbindung mit der Lage abseits der Weinstraße und somit der großen und bekannten Weinbauorte führt dazu, dass der Ort in Bezug auf Wein recht unbekannt ist. Was aber nicht heißt dass in Kleinniedesheim unbedeutende oder gar qualitativ minderwertige Weine wachsen. Dieses manchmal zu hörende Vorurteil widerlegen die zahlreichen Auszeichnungen, die die KIeinniedesheimer Weine regelmäßig erhalten. Spätestens bei einer Weinprobe werden sie erleben, dass sich die KIeinniedesheimer Winzer sehr viel Mühe machen und sich ihre Weine durchaus mit bekannten Weinen messen lassen.

Nachfolgend der aktuelle Rebsortenspiegel von Kleinniedesheim im Vergleich zur Pfalz:
Kleinniedesheim Pfalz
Anbaufläche (ha) Anteil der Anbaufläche Anbaufläche (ha)  Anteil der Anbaufläche
Riesling  12,3384  23,9%  5002  21,1% 
Müller-Thurgau  10,2577  19,8%  4741  20,0% 
Portugieser  9,2977  18,0%  2429  10,2% 
Scheurebe  3,6003  7,0%  1043  4,4% 
Morio- Muskat  3,4266  6,6%  826  3,5 % 
Silvaner  3,3039  6,4%  1562  6,6 % 
Spätburgunder  2,3796  4,6%  816  3,4% 
Gewürztraminer  2,1813  4,2%  359  1,5% 
Bacchus  1,2867  2,5%  384  1,6% 
Dornfelder  1,2546  2,4%  981  4,1% 
Kerner  0,6304  1,2%  2419  10,2% 
Grauer Burgunder  0,5915  1,1%  454  1,9% 
Ortega  0,4674  0,9%  372  1,6% 
Dunkelfelder  0,3200  0,6%  88  0,4 % 
Weißer Burgunder  0,2423  0,5%  542  2,3 % 
Huxelrebe  0,1443  0,3%  537  2,3%
Gesamt 51,7227  100,0%  23704  100,0% 
Rotweinanteil  13,2519  25,6%  4314  18,2%

 

Quellenangabe: Heimat Jahrbuch - Band 16 - Herausgegeben von dem Landkreis Ludwigshafen Seite 32 ff