Die Kirche in Kleinniedesheim
Nachdruck von: Artikel im Gemeindebrief von Walter
H. Stenger aus dem Jahr 1999
Der Ursprung der
Kleinniedesheimer Kirche reicht nachweislich bis in das 13. Jahrhundert. Aus
einer Urkunde des Bischofs Eberhard I. von Worms am 23. April 1270 (Georgitag)
geht hervor, dass das Patronatsrecht der Kirche zu Uzelnheim von den Brüdern
und Ritter Gerbodo und Gotfridus de Moro an das St. Andreasstift in Worms
veräußert wurde. Die hiesige Kirche war dem hl. St. Severin geweiht, weshalb
sie auch zuweilen Severins Kirche genannt wurde.
Die ursprüngliche Gestalt dieser
etwas kleinen, kapellenartigen Kirche wurde 1725 abgerissen. Das heutige
Gotteshaus mit seinem eindrucksvollen Aussehen wurde in den Jahren 1725 – 1726
im Barockstil erbaut und am 11. August des Jahres 1726 eingeweiht. 
Das Besondere im Innenraum der
Kirche ist der, an der Schrägwand angebrachte, prächtige Epitaph. Denn diese,
für die damalige Zeit modern gestaltete Grabmalkunst ist eine der seltenen Art.
Die Schrifttafel auf dem Epitaph besagt, dass am 10 September 1774 hier der
Freiherr Karl Ludwig von Bergh beigesetzt wurde. Die lateinische Inschrift, ins
Deutsche übersetzt, lautet:
„Hier ruht in Hoffnung auf
ewige Auferstehung Karl Ludwig Freiherr von Bergh, des allerchristlichsten
Könige Lagerpräfekt des Militärordens vom Hl. Ludwig Ritts des kgl. Regiments
Zweibrücken ehemals Offizier. Er starb am 10. September 1774 im Alter von 44
Jahren.
Von Anna Elisabetha Gräfin von
Nale seiner geliebten Gattin zu seinem Gedenken.“
Das kleine Orgelwerk
über dem Altar von Johann Peter Kampf, vorher Geselle bei dem angesehenen
Orgelbauer Hartung in Dürkheim, gebaut. Im Jahre 1981 wurde die historische
Orgel von dem Orgelspezialisten Werner Owart gründlich renoviert. Schon am 7.
März 1982 wurde die zierliche Orgel in einem feierlichen Gottesdienst
eingeweiht.
Die schlichte Kanzel aus Holz, in
polygonaler Form gestaltet, steht auf einem hölzernen Pfeiler an der nördlichen
Langwand. An der gleichen Wand ist auch ein Kriegerdenkmal aus dem 19.
Jahrhundert angebracht.
Von 1952 bis 1953 wurde die
Kirche innen und außen gründlich instandgesetzt. Diese Sanierungsarbeiten
erwiesen sich aber bedauerlicherweise schon nach einigen Jahren als nicht
ausreichend. Im Jahr 1966 musste an dem Gotteshaus eine Fundamentverstärkung vorgenommen
werden, weil sich an dem Mauerwerk sehr große Risse gebildet hatten. Außerdem
wurde, da die Risse überklammert worden sind und eine Elektroheizung
installiert worden ist, der Innen – und Außenputz erneuert und neu gestrichen.
Am 15. September 1973 fand in
diesem herrlichen Barockkirchlein unter großer Anteilnahme der
Kleinniedesheimer Bevölkerung die erste ökumenische Trauung statt.
Den Bemühungen der christlichen
Kirchen zur Einigung in Fragen des Glaubens und der religiösen Arbeit ist es zu
verdanken, dass auch die katholischen Christen der Kirchengemeinde
Bobenheim/Kleinniedesheim die hiesige Kirche benutzen dürfen. Am 14. Dezember
1980, den 3. Advent, hielten sie seit langer Zeit wieder ihre Hl. Messe in
dieser Kirche ab. Vermutlich zum ersten Male fand am 9. November 1985 ein
Hubertus-Gottesdienst in der Kleinniedesheimer Kirche statt. Mit großem,
neugierigem Interesse besuchten zahlreiche katholische und evangelische
Christen den ersten ökumenischen Gottesdienst, der am 11. Dezember 1988 im
hiesigen Gottesdienst abgehalten wurde. In ihm wurden drei Taufen vorgenommen,
eine katholische und zwei evangelische.
Da die zerstörenden Kräfte der
Zeit auch vor Kirchbauten nicht Halt machten, mussten im Frühjahr 1996 erneut
Renovierungsarbeiten verrichtet werden. Das Kirchendach wurde neu eingedeckt,
der Außenputz teilweise abgeschlagen, erneuert und gestrichen. Alle die
genannten Arbeiten sind gut gelungen. Deshalb konnte bei der Einweihung, die
mit einem Festgottesdienst mit Hl. Abendmahl am 13. Oktober des gleichen Jahres
verbunden war, die renovierte Kirche im neuen Glanz erstrahlen.

Diese kleine, schmucke
Barockkirche ist sowohl für unsere Kirchengemeinde, aus auch für die nähere und
weitere Umgebung ein wahres Schmuckstück. Sie besticht nicht durch glanzvollen,
überwältigenden Prunk, der fast allen Barockkirchen als Ausdruck des himmlischen
Paradieses eigen ist, sondern durch ihre Einfachheit und Schlichtheit. Gerade
diese Einfachheit und Schlichtheit verleiht dem barocken Kirchlein eine
eigenartige, faszinierende Ausstrahlung.
Ergänzung Pfn Tarasinski:
Auch in den letzten Jahren hat
der Zahn der Zeit an der Kirche genagt. So mussten der Glockenstuhl und Teile
der Glocken erneuert werden, ebenso wurden einige Dachsparren ausgetauscht.
Leider ist der Kirchgang in dem
kleinen Ort dermaßen zurückgegangen, dass das Presbyterium beschlossen hat, die
Kirche nur noch für Festgottesdienste wie z.B. Taufen und Trauungen sowie
Heiligabend zu nutzen. Ein Highlight im Kirchenjahr ist das seit einigen Jahren
jeweils am 2. Advent stattfindende Taize-Gebet, gestaltet vom Familiensingkreis
Bobenheim.
Kleinniedesheimer Gemeindeglieder
sind herzlich eingeladen, die Gottesdienste in Großniedesheim und Heuchelheim
zu besuchen als auch den monatlich stattfindenden Gottesdienst im Johanniter
Altenheim, der offen ist für jeden und jede, die kommen und mitfeiern mag.
Am 8. August 2026 feiern
wir 300 Jahre Kirche Kleinniedesheim.
Herzliche Einladung!